3.5.11

Im Zoo

Ein unterhaltsamer Nebeneffekt beim Zeichnen im Freien sind die aufgeschnappten Gesprächsfetzen der Leute ringsum.

Als ich das Antilopenhaus des Basler Zoo zeichnete, habe ich die gesamte Bandbreite der menschlichen Artenvielfalt erleben dürfen. Links vom Antilopenhaus ist ein Okapi untergebracht, und viele Eltern blieben davor stehen, weil ihre Kinder es ulkig fanden. Natürlich wurde neugierig gefragt, was dass denn für ein Tier sei, und die Antworten der Mamis und Papis erzeugten bei mir das eine oder andere Stirnrunzeln.

90% erklärten, es handele sich um eine Antilope (falsch, das Okapi ist eine Giraffenart). Der Rest verlor sich in Mutmaßungen, die von Zebra bis “das ist so eine afrikanische Reh-Art” reichten. Eine junge Frau meinte gar, das Tier sähe aus, als käme es aus einer anderen Zeit (wahrscheinlich von vorgestern, wie sie selber).

Diejenigen, die wussten, dass es sich um ein Okapi handelt, konnte man an einer Hand ablesen.

Aber niemandem wäre in den Sinn gekommen, kurz auf die Infotafel zu schauen. Man könnte ja etwas dabei lernen!

Den Vogel abgeschossen hat allerdings ein Vater, dessen Sohn (etwa 7 Jahre alt) ihm erklärte: »Guck mal, Papa, ein Okapi. Das ist eine Art Giraffe. Weißt du, warum das ein Männchen ist? Der hat auf der Stirn zwei Hörner. Die hat das Weibchen nicht.«

Anstatt über das Wissen seines Sohnes zu staunen, ihm dafür ein Kompliment auszusprechen und vielleicht irgendwelches Interesse für seine Ausführungen zu zeigen, meinte der Vater bloß: »Guck mal, die ulkigen Ohren von dem Vieh!«

Allerdings ist es auch wieder beruhigend, dass es nicht umgekehrt war.

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